Messung der Durchlaufzeiten

Messen der Durchlaufzeit












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Die Durchlaufzeit ist eine grundsätzliche Variable, um die Bestandsmenge zu berechnen, die zur Deckung des künftigen Bedarfs benötigt wird. Eine richtige Messung der Durchlaufzeit ist unabhängig der angewandten Prognosetechnologie nötig. Doch die für Bestandsoptimierung benötigte Durchlaufzeit geht mit einigen Feinheiten einher. Auf dieser Seite zeigen wir Ihnen, wie die Durchlaufzeit in der Praxis gemessen werden sollte.

Siehe auch Definition von Durchlaufzeit und Prognosen der Durchlaufzeit.

Die Durchlaufzeit wird am besten auf Grundlage der Aufträge berechnet, indem die Verzögerung zwischen Bestellung und Lieferung berücksichtigt wird. Vor allem empfehlen wir, sich nicht auf die „offiziellen Durchlaufzeiten“ der Lieferanten zu verlassen, da diese oft unter oder über der Leistung dieser Werte liegen. Wenn Ihr Unternehmen eine von Lokad nativ unterstützte App nutzt, kann Lokad die anwendbare Durchlaufzeit auf Grundlage Ihrer historischen Daten automatisch berechnen.



Durchlaufzeitung und Prognosehorizonte

Der Begriff „Durchlaufzeit“ hat verschiedene Bedeutungen. So gibt es Durchlaufzeiten für die Herstellung, den Transport, Bestellungen, usw. Bei der Optimierung von Entscheidungen im Bereich Lieferkette müssen all diese Durchlaufzeiten als Ganzes berücksichtigt werden. Diese „konsolidierte“ Durchlaufzeit wird „Prognosehorizont“ genannt. Dieser Horizont wird im Prognose-Engine als Input verwertet.

Bei klassischen Prognosemethoden erhöht sich gewöhnlich die Komplexität des Problems, da diese weitere spezifische Einschränkungen mit sich bringen. So werden tägliche Prognosen oft als schwankend aufgefasst und stattdessen wöchentliche oder monatliche Prognosen benutzt. Doch bei solchen Prognosen kann der prognostizierte Bedarf nicht an den gewünschten Horizont angepasst werden.

Lokads Prognose-Engine löst dieses Problem, indem der Horizont für die Prognose beim Input in Tagen ausgedrückt wird. Außerdem ist das Engine auch in der Lage, mit einem ungewissen Horizont zu arbeiten, der durch eine Wahrscheinlichkeitsverteilung dargestellt wird.

Bitte beachten Sie, dass Vereinbarungen mit Lieferanten oftmals Durchlaufzeiten in Werktagen enthalten. Somit müssen diese in Kalendertage umgewandelt werden.

Ein Segment, das die Zukunft ab der „Gegenwart“ abdeckt

Gewöhnlich beginnt eine Bedarfsprognose mit dem „gegenwärtigen“ Datum und wird solange fortgesetzt, bis der gesamte Horizont abgedeckt ist. In der Praxis stimmt die „Gegenwart“ nicht immer mit dem Kalender überein, sondern bezieht sich auf das Ende der Historie. Meist wird die Historie in Stapeln abgerufen, wodurch es zu kleinen Abweichungen kommen kann. Lokads Prognose-Engine bedarf einer present-Variable, gerade weil die Zweideutigkeit nicht immer durch die Analyse der historischen Daten beseitigt werden kann – oft kann nicht unterschieden werden, ob es sich um einen fehlenden Bedarf handelt oder die Vertriebsdaten für die letzten Stunden des Datasets abgeschnitten wurden.

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Die Abbildung zeigt einen Horizont, der einem Zeitraum von 4 Tagen entspricht, die als Prognosehorizont dient. D. h., wenn Lokad einen Reorder-Point mit diesem Horizont und einen Service-Level von 95 % berechnet, entspricht der Reorder-Point dem Mindestlagerbestand - wie von Lokad prognostiziert - der zur Abdeckung der Schwankungen der zukünftigen Nachfrage ausreicht, so dass in 95 % der Fällen der Reorder-Point über der Nachfrage liegt, wodurch Fehlbestände vermieden werden.

Im Folgenden sehen Sie, dass probabilistische Prognosen als Methode den Reorder-Points überlegen sind. Bis dahin gehen wir, der Einfachheit halber, von einer einfacheren Perspektive der Reorder-Points aus.

Verzögerungen von Nachbestellungen

Nach dem obigen Ansatz muss der Horizont alle Faktoren, die zu einer Verzögerung der tatsächlichen Wiederbeschaffung führen, einschließen. Es gibt meistens immer eine Verzögerung bei der Nachbestellung. Tatsächlich erfolgen Nachbestellungen - Bestellungen an Lieferanten - in der Regel nicht in Echtzeit, da Artikeleinheiten (SKUs) verkauft oder verbraucht werden. Einige SKUs werden beispielsweise nur einmal pro Woche bestellt.

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Die Abbildung demonstriert die Annahme, dass Nachbestellungen alle 3 Tage erfolgen. Die Lieferanten-Durchlaufzeit beträgt 4 Tage. In einer Situation wie dieser ist es verlockend, jedoch falsch, eine Durchlaufzeit von 4 Tagen zu nutzen. Tatsache ist, dass diese Verzögerung die dreitägige Verzögerung erst bei der nächsten Nachbestellung berücksichtigt. Wird eine Durchlaufzeit von 4 Tagen verwendet, deckt der von Lokad vorgeschlagene Reorder-Point Tag 5, 6 und 7 nicht ausreichend ab.

Die angemessene von Lokad zu verwendende Durchlaufzeit wäre in diesem Fall: 4+3 = 7 Tage. Somit sollte der Lagerbestand bei einem Beginn an Tag Null nicht nur bis zum Ende von Tag 4, an dem die erste Lieferung eingeht, sondern bis zum Ende von Tag 7, an dem die zweite Lieferung eingeht, ausreichen. Tatsächlich hat die Nachbestellung B bis zum Ende von Tag 7 keine Auswirkungen. Somit sollte die an Tag Null bestellte Menge alle Schwankungen bis zum Ende von Tag 7 abdecken. Ab Tag 7 greift die Nachbestellung B.

Doppelte Prognoseerstellung für einen Tag

Die unten dargestellte Abbildung zeigt eine doppelte Prognoseerstellung für den gleichen Tag. Das mag Sie vielleicht verwundern. Tatsächlich sind Tag 4 und 7 jedoch nicht nur Teil der ersten Quantil-Prognose am Ende von Tag Null, sondern auch Teil der zweiten Quantil-Prognose am Ende von Tag 3.

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Diese Vorgehensweise ist jedoch korrekt. Die hier von Lokad erstellte Prognose ist eine Quantil-Prognose, die in einen Reorder-Point verwandelt wird. Dennoch setzt sich die Nachbestellmenge aus dem Reorder-Point abzüglich des vorrätigen Lagerbestands, abzüglich des bestellten Lagerbestand zusammen. Somit kann es sein, das ein einzelner Tag, im Rahmen der Reorder-Point-Berechnung, doppelt prognostiziert wird. Dennoch wird der gleiche Tag nicht doppelt gezählt, was die Nachbestellmenge betrifft.

Beispielszenarien

In diesem Abschnitt finden Sie einige typische Szenarien, die Ihnen einen besseren Einblick in die Berechnung einer korrekten Durchlaufzeit verschaffen, die von Lokad benötigt wird.

Lieferung am nächsten Tag unter Berücksichtigung von Ruhetagen

Angenommen ein Einzelhändler möchte Lokad unter folgenden Voraussetzungen nutzen:
  • Das Geschäft ist jeden Tag, außer Sonntag geöffnet.
  • Das Geschäft erhält jeden Tag Lieferungen, außer Sonntags
  • Nachbestellungen für das Geschäft erfolgen jeden Tag vor 10:00 und die Lieferung erfolgt am nächsten Tag. Am Samstag ausgelöste Nachbestellungen erfolgen am darauffolgenden Montag.
  • Daten werden jeden Tag um 05:00 morgens an Lokad übertragen. Die Verkaufsdaten enden am Vortag um Mitternacht.

In diesem Fall entspricht die Durchlaufzeit 2 Tagen für alle Tage, mit Ausnahmen von Samstag; hier entspricht die Durchlaufzeit 3 Tagen.

Lieferung am übernächsten Tag mit Halbtagesbetrieb

Angenommen ein Einzelhändler möchte Lokad unter folgenden Voraussetzungen nutzen:
  • Der Laden ist jeden Tag geöffnet.
  • Der Laden erhält jeden Tag Lieferungen, außer Sonntags
  • Nachbestellungen erfolgen jeden Tag vor 10:00 und die Lieferung erfolgt am nächsten Tag. Am Freitag ausgelöste Nachbestellungen erfolgen am darauffolgenden Montag. Am Samstag ausgelöste Nachbestellungen erfolgen am darauffolgenden Dienstag.
  • Daten werden jeden Tag um 05:00 morgens an Lokad übertragen. Die Verkaufsdaten enden am Vortag um Mitternacht.

In diesem Fall entspricht die Durchlaufzeit von Montag bis Donnerstag 3 Tagen, einschließlich einem Tag für Nachbestellverzögerungen sowie zwei Tagen für die Lieferanten-Durchlaufzeit. Für Freitag und Samstag entspricht die Durchlaufzeit 4 Tagen. Für diese zwei Tage muss der Ruhetag Sonntag berücksichtigt werden. Insbesondere die am Freitagmorgen getroffene Entscheidung muss bis zum Arbeitstagende am Dienstag ausreichen, da die Nachbestellungen von Samstag keinen Einfluss auf Dienstag haben.