Definition Lagerumschlag (Umschlagshäufigkeit) - Software zur Bestandsoptimierung

Lagerumschlag (Umschlagshäufigkeit)


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von Nathanael Mion, Joannes Vermorel, Februar 2012

Der Lagerumschlag bezeichnet die Anzahl, wie oft Lagerbestände in einem bestimmten Zeitraum (meist ein Jahr) ausgewechselt werden. Es ist ein häufig verwendetes Verhältnis im Lagerbestandsmanagement, da es die Gesamteffizienz der Supply-Chain, vom Lieferanten zum Kunden, widerspiegelt. Dieses Verhältnis kann für jegliche Art von Lagerbeständen berechnet werden (Materialien und Zubehör, unfertige Erzeugnisse, Fertigerzeugnisse bzw. Kombinationen dieser) und kann sowohl im Einzelhandel als auch in der Herstellung angewandt werden.

Umschlagsformel

Das Verhältnis wird berechnet indem die Kosten der verkauften Waren (auch: Selbstkosten, Umsatzkosten; Cost of Goods Sold, COGS) durch den durchschnittlichen Gesamtinventarwert (Average Aggregate Inventory Value (AAIV) geteilt werden:

Lagerumschlag = COGS / AAIV

Die Kosten der verkauften Waren (COGS), manchmal auch Umsatzkosten genannt, sind die jährlichen Kosten eines Unternehmens für die Auslieferung verkaufter Waren an den Kunden. Diese Kosten beinhalten weder den Verkauf, noch die Verwaltungskosten. Der durchschnittliche Gesamtinventarwert (AAIV) ist der Wert aller sich im Lagerbestand des Unternehmens befindlichen Artikel zum Selbstkostenpreis.

Unternehmen bezeichnen ihren Lagerbestand auch häufig als Lagervorrat in Tagen oder Wochen. Einer der wesentlichen Vorteile dieses Ansatzes ist, dass er verständliche Werte und einen sofortigen Vergleichspunkt mit der Durchlaufzeit liefert. In diesem Fall zeigt ein weiteres vom ersten Verhältnis abgeleitetes Verhältnis an, wie viele Tage Lagerbestand im System vorhanden sind - bzw. in wie vielen Tage der Lagerbestand ausverkauft sein wird.

{{ Bestandstage = (AAIV/COGS) x 365 Tage = 365 / Umschlag

Wird dieser Verhältnis auf spezifische Produkte angewandt, wird es häufig als Lagerabdeckung bezeichnet.

Beispiel: Belaufen sich die jährlichen Kosten für verkaufte Waren auf 1 Millionen US-Dollar und der durchschnittliche Inventarwert ist 100.000 US-Dollar, ist der Lagerumschalg 10. Ein Lagerzyklus dauert 365/10= 36,5 Tage (durchschnittlich).

FIFO-Annahme

Eine zugrundeliegende Annahme bei der Berechnung des Lagerumschlags ist die Verwendung der "First In – First Out" Methode (engl. etwa „Zuerst rein – zuerst raus“), häufig abgekürzt mit FIFO, (FIFO)zur Bestandsbewertung. Entsprechend dieser Methode ist die erste im Lager eintreffende Einheit, die erste Einheit, die verkauft bzw. verarbeitet wird. Der im Verhältnis verwendete Wert des Durchschnittinventars variiert dementsprechend.

Die Verwendung des Periodenendes anstelle des Durchschnittinventars kann irreführende Verhältnisse zur Folge haben (unter- bzw. überschätzter Lagerbedarf) und sollte vermieden werden.

Leistungsmetrik

Lagerumschlag ist eine der am häufigsten verwendeten Metriken der Supply-Chain-Effektivität.

  • Niedriger Lagerumschlag steht häufig im Zusammenhang mit Bestandsüberschüsse, Überbestand und totem Lagerkapital (unbewegten Lagerbeständen). Eine niedrige Umschlagshäufigkeit verursacht Liquiditätsprobleme sowie erhöhten Druck auf das Betriebskapital.
  • Hoher Lagerumschlag ist generell positiv, da er anzeigt, dass Waren rasch verkauft werden. Dies kann das Ergebnis eines guten Lagerbestandsmanagements sein, kann jedoch auch auf einen unzureichenden Sicherheitsbestand zurückzuführen sein.

Strategische Beschaffungsentscheidungen, wie etwa die Auswahl von Lieferanten in der unmittelbaren bzw. weiteren Umgebung, haben enorme Auswirkungen auf den Lagerumschlag, da dieser stark von der Durchlaufzeit abhängt.

Industrieunterschiede

Lebensmittelketten, die verderbliche Waren verkaufen haben generelle eine hohe Umschlagshäufigkeit von circa 100 für diese Waren. Die Produkte müssen schnell verkauft werden, da sie schnell verderben. Abschreibungen aufgrund von abgelaufenen Produkten können enorme Kosten verursachen. Weitere Informationen zu verderblichen Lebensmitteln finden Sie einem Artikel über den Service-Level.

Herstellende Unternehmen haben wesentliche niedrigere Umschlagswerte (zwischen 5 und 10). Da deren Produkte länger gelagert werden können, weist ein niedriger Lagerumschlag nicht unbedingt auf ein unzureichendes Lagerbestandsmanagement hin. Ein Auto beispielsweise veraltet nicht, wenn es für 2 Monate gelagert wird. Ein Unternehmen muss von daher seinen Lagerumschlag bewerten indem es einen Vergleich mit den Industriestandards erstellt, um diesen Indikator nutzen zu können.

Die Einschränkung des Lagerumschlags als statische Kennzahl

Der Lagerumschlag ist ein Durchschnittswert. Er reflektiert nicht unbedingt die im Laufe des Jahres oder mehreren Jahren stattfindenden Schwankungen und Aktivitäten des Lagerbestands. Beispielsweise können die Lagerbestände für die Vorbereitung auf saisonbedingte Umsatzspitzen aufgestockt werden. Derartige Muster erhöhen den jährlichen Lagerumschlag auf, sind jedoch notwendig um Fehlbestände in der Hochsaison zu vermeiden.

Über längere Zeiträume gesehen ist der Lagerumschlag am besten für den Einsatz als Trendindikator geeignet. Ein steigender Trend bedeutet, dass weniger Geld pro Dollar der Kosten für verkaufte Waren benötigt wird, d. h. die Effizienz der Supply-Chain wird verbessert. Dies trifft jedoch nur zu, wenn dies nicht durch einen entsprechenden Ansteig der Fehlbestände abgeschwächt wird.

Wie kann der Lagerumschlag verbessert werden?

Die Hauptfaktoren zur Verbesserung des Lagerumschlags sind:

  • Beschaffung, Wahl neuer Lieferanten mit kürzeren Durchlaufzeiten bzw. *Verhandeln* kürzerer Durchlaufzeiten.
  • Service-Level, durch Anpassung der Fehlbestände auf eine angemessene Häufigkeit (ein Fehlbestand von Null ist für die meisten Unternehmen nicht umsetzbar).
  • Prognose, durch Verfeinerung der Genauigkeit der Bedarfsprognosen, so dass Sicherheitsbestände reduziert werden können, ohne dabei Fehlbestände zu erhöhen.

Lokad hat die Lösung

Trotz aller vorhandenen Optionen zur Verbesserung des Lagerumschlags sind wir der Meinung, dass die Prognoseerstellung einen schnellen Erfolg für die meisten Unternehmen bedeutet. Verbessernde Prognosen benötigen keine großen Investitionen, keine Überprüfung der Beschaffungsstrategie und beinhalten auch keine zusätzlichen Risiken, wenn man sich bewusst für eine Erhöhung der Fehlbestände entscheidet. Wir haben eine App zur Bestandsoptimierung entwickelt, die optimierte Reorder-Points auf Basis unserer Prognosetechnologie erstellt.